Industrie 4.0 / IoT Trends

 

IoT/I4.0 Killer-Applikation / Power to the IoT/I4.0 User

Was ist die IoT/I4.0 Killer-Applikation? Es gibt heute bereits viele gute Use Cases, aber nicht die eine „Silver Bullet“, die jeden Kunden sofort überzeugt und dazu bringt, jetzt in IoT/I4.0 zu investieren. Daher wird die Suche in diesem Bereich intensiv weitergehen. Ob eine echte Killer-Applikation tatsächlich gefunden wird, ist kaum abzusehen. Womöglich gibt es eine solche IoT/I4.0 Killer-Applikation gar nicht. Trotzdem ist der generelle Mehrwert von IoT/I4.0 unbestritten. IoT/I4.0 bringt ein breites Optimierungspotential in vielen bestehenden Anwendungsfällen mit sich, auch ohne eine eigene „Killer-Applikation“. IoT/I4.0 ist eine „Enablement-Technologie“ für viele Anwendungsfälle wie beispielsweise auch Cloud Computing. IoT wird unsere Welt nachhaltig verändern, unabhängig davon, ob es eine echte Killer-Applikation geben wird oder nicht. Der Unterschied liegt nur darin, dass eine Killer-Applikation einen enormen Beschleunigungsfaktor in der Ausbreitung bewirken würde.

Gute Use Cases kommen i.d.R direkt von den Anwendern selbst, auch wenn sich Anbieter bei ihrer Suche große Mühe geben. Die Veränderung, die wir im Markt sehen werden, wird daher in eine klare Richtung gehen – IoT/I4.0-Lösungen werden viel einfacher in der Anwendung (Motto „Power to the User“). Wenn jeder Anwender in der Lage ist, IoT-Daten zu sammeln, zu integrieren, auszuwerten und basierend darauf Aktionen auszuführen, werden neue Anwendungsfelder zwangsläufig schneller identifiziert – im Try & Error-Ansatz.

Standardisierte IoT/I4.0-Lösungen

Identifizierte Use Cases, die eine breite Anwendung zulassen, werden in den nächsten zwei Jahren sehr schnell als Standardlösung auf dem Markt angeboten. Neue, innovative IoT-Lösungen entstehen häufig in individuellen Projekten, dediziert für einen einzelnen Kunden. Kundenindividuelle Use Cases dienen dann als Blueprint für Standard-Lösungen. Einige Anbieter treiben die rasche Standardisierung von IoT-Lösungen für bestimmte Anwendungsfälle bereits konsequent voran. Die schnelle Standardisierung von neuen Anwendungsfällen bringt enorme Effizienzvorteile durch Skaleneffekte mit sich und ist daher erfolgskritisch für Anbieter.

IoT-Plattformen

IoT-Plattformen sind als Daten-Drehscheiben (für die Datenintegration, -speicherung, -analyse und -visualisierung) schon heute hoch relevant. Des Weiteren werden wir nicht nur „Full Service“ IoT-Plattformen mit einem voll integrierten Portfolio an Daten-, Device- und Prozessmanagement im Markt sehen, sondern auch neue IoT-Integrations-Plattformen. Diese werden Konnektoren zur Verfügung stellen, um diverse Daten-, Device- und Prozessmanagement-Lösungen schnell und einfach zu verbinden und somit eine kundenindividuelle oder anwendungsspezifische („Best of Breed”) IoT-Plattform mit allen notwendigen Funktionalitäten zu designen.

IoT/I4.0-Datenintegration / Data Analytics

Unsere Welt ist und bleibt heterogen. Daher wird das Thema Integration ähnlich wie das Thema Security ein digitales Dauerthema bleiben. Auch gemeinsame Standards werden das Problem nur zum Teil lösen. Sie hinken der Marktentwicklung hinterher und oft existieren unterschiedliche Standards einfach parallel nebeneinander. Die Integration von heterogenen Daten und Anwendungen ist alles andere als trivial und stellt sozusagen das „Pflichtprogram“ in einer IoT/I4.0-Welt dar; (Big) Data Analytics ist dann die darauf basierende „Kür“. Der Markt für Industrial Data Analytics wächst in der Komplexität. Das ist eine Herausforderung für die Anbieter, mit ihren Lösungen hier Schritt zu halten. Es kommen einzelne Anbieter hinzu, zum einen aus dem Bereich der klassischen Business Intelligence und aus dem Bereich Big Data mit einer Erweiterung ihres Offerings in Richtung Maschinendaten und zum anderen Anbieter aus dem Bereich der Automatisierungstechnik und verwandten Themen, die ihre Systeme Stück für Stück mit der Unternehmens-IT verknüpfen. Im Rahmen der Industrial Data Visualisierung wird immer deutlicher, dass es nicht um „Leitstände“ geht, die Daten von klassischen Systemen auf moderne Weise darstellen, sondern darum, die Daten aus diesen unterschiedlichen Systemen zu konsolidieren und daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Sensoren

Sensoren sind ein wichtiger technologischer Enabler für IoT. Hierbei geht es nicht nur darum, dass Sensoren immer mehr Dinge erfassen können, sondern dass durch Massenproduktion enorme Stückzahlen immer schneller und immer günstiger verfügbar sein werden. Dadurch können Sensoren auch zunehmend in Anwendungsfelder eingesetzt werden, in denen nur ein begrenzter ROI zu erwarten ist.

Anwender werden zu IoT/I4.0-Anbietern / Bi-modale IoT/I4.0-Unternehmen

Wir werden zunehmend sehen, dass typische Anwenderunternehmen (User), die IoT/I4.0-Erfahrung durch Inhouse-Projekte erworben haben, zunehmend versuchen werden, diese Expertise auch auf dem externen Markt anzubieten. Dadurch entwickeln sie sich von einem typischen IoT/I4.0-Anwenderunternehmen hin zu einem IoT/I4.0-Anbieter. Hierbei kann es einerseits darum gehen, ganz spezielle technologische IoT/I4.0-Eigenentwicklungen (zum Beispiel im Maschinen- und Anlagenbau) auch anderen Unternehmen, die einen ähnlichen Bedarf haben, zugänglich zu machen, oder andererseits das intern erworbene IoT/I4.0-Know-How im Rahmen von Beratungs- oder Integrations-Services auch anderen Unternehmen anzubieten.

„Bi-modale IT“ bedeutet die IT der zwei Geschwindigkeiten. Ein stabiles IT-Backbone in Kombination mit einer agilen und flexiblen IT. Dieser Gedanke lässt sich wunderbar auch auf ganze Unternehmen anwenden. Gerade im IoT-Umfeld bietet es sich geradezu an, schnelle, agile Tochterunternehmen zu gründen als Kontrast zu unflexiblen Konzernstrukturen. Trumpf – der Hersteller von Werkzeugmaschinen und Lasern – ist im Herbst 2015 in diese Richtung gegangen und hat ein Startup namens Axoom gegründet. Das Unternehmen hat „nur“ 20 Mitarbeiter und sitzt in Karlsruhe. Axoom soll eine Plattform für Software zur Planung von Produktionsabläufen aufbauen. Wie in einem App Store sollen hierauf Anwendungen zur industriellen Produktion von Trumpf selbst, aber auch von anderen Herstellern angeboten werden. So sollen Industrieunternehmen ganze Produktionsabläufe, vom Auftragseingang bis zur Auslieferung abbilden und sich auch mit Lieferanten und Kunden vernetzen können – sie bilden eine offene ERP-Plattform. Trumpf geht somit aktiv den Weg vom Hardware-Anbieter (von Maschinen) über das Betriebssystem auf diesen Maschinen hin zum Software-Anbieter und wird so ein bi-modales Unternehmen.

IoT-Ökosysteme

In unserer hochgradig vernetzten Wirtschaftswelt ist es nicht mehr sonderlich relevant, wie groß das eigene Unternehmen ist, sondern wie stark das Netzwerk darum herum ist. Diese Entwicklung ist keineswegs auf IoT/I4.0 begrenzt, wird jedoch auch hier in der weiteren Marktentwicklung eine zentrale Rolle einnehmen. IoT-Ökosysteme werden sich in den nächsten zwei Jahren weiter ausbilden, häufig rund um IoT-Plattformen. Um diese IoT-Plattformen herum werden sich dann zukünftig zunehmend ergänzende Microservices gruppieren. Ein echter Netzwerk-Effekt wird sich aber erst dann einstellen, wenn das Ökosystem durch eine starke Kernlösung (USP) in Kombination mit einem starken Geschäftsmodell (win-win) immer mehr Partner an sich ziehen kann. Wir werden in den nächsten Jahren eine intensive „Coopetition“ zwischen konkurrierenden IoT-Ökosystemen erleben.

IoT Security

Dedizierte Security Konzepte (wie Security by Design oder Defense-in-Depth) sind gerade im IoT-Umfeld häufig noch Mangelware. Der Grund dafür liegt darin, dass Entwickler sich gerade bei kleinen, mobilen IoT Devices in erster Linie mit der technischen Komplexität auseinandersetzen (also Konnektivität, Komponentenkosten, Energieverbrauch und Platzbedarf etc.), bevor das Thema Sicherheit überhaupt in den Fokus rückt. Sicherheit ist wichtig, aber meist nicht Bestandteil eines ersten „minimal buyable product“.

Industrial Automation / Autonome Roboter

Autonome Roboter, die zunehmend selbständig agieren und miteinander interagieren, werden die industrielle Automation in den nächsten Jahren stark verändern. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die immer engere Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in der Produktion. Neben der maximalen Effizienz in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine spielt hierbei auch das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle.

Augmented & Virtual Reality

Augmented Reality ermöglichen eine digitale Projektion von Informationen in einem realen Kontext. Die Visualisierung kann z.B. via Smartphone Apps oder Datenbrillen erfolgen. Hierdurch können zum Beispiel dem Wartungspersonal im Industrie-Umfeld wichtige Zusatzinformation direkt bei der Arbeit angezeigt werden oder auch Reparaturabläufe Schrittweise dargestellt werden. Dank der Kombination aus Cloud, Mobility sowie weiteren Technologien wie Big Data Analytics und der Miniaturisierung der Elektronik, gelingt es nun beispielsweise über Datenbrillen wie Google Glass (AR) oder Oculus Rift (VR) die Realität in Echtzeit mit vielen Zusatzinformationen zu bereichern oder gar komplett zu imitieren. Der erste Fall, Augmented Realität, breitet sich derzeit über jegliche Branche wie ein Lauffeuer aus und liefert nicht nur in der Industrie viele Mehrwerte wie dem Enablement von Ingenieuren zum Check von Schweißnähten, sondern auch Hilfestellungen und Ausgangsszenarien bei offenen Herzoperationen im Krankenhaus. IoT in Echtzeit ist die Grundlage, um Augmented Reality Anwendungen zu realisieren.