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ISG veröffentlicht erstmals großen Anbietervergleich zu „Engineering Services“ in Deutschland

Rainer Suletzki

Den klassischen Produktentwicklern im deutschen Automotivemarkt bietet das Internet of Things (IoT) neue Marktchancen. Da sie von der Hardwareseite kommen, haben diese Anbieter beim Einsatz von Sensortechnik und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation einen signifikanten Vorteil, mit dem sie sich gegenüber den ebenfalls am Markt tätigen IT-Service-Providern positionieren können. Zu diesem Schluss kommt der neue Anbietervergleich „ISG Provider Lens Germany 2019 – Engineering Services“, den ISG Anfang September zum ersten Mal vorgestellt hat. Neben der Automobilindustrie richtet die Studie ihren Fokus auf die Prozessindustrie mit ihren Branchen Chemie, Öl, Gas, Gesundheit und Konsumgüter (Consumer Packaged Goods, CPG). Insgesamt hat ISG in der Studie insgesamt 20 Anbieter bewertet.

Den Markt für Product Engineering in der Automobilindustrie teilen sich klassische, vormals rein an der Entwicklung von Hardware orientierte Anbieter sowie IT-Service-Provider. Die klassischen Anbieter haben in der Softwareentwicklung massiv aufgeholt – vor allem bei Embedded Software. Das Internet der Dinge bietet gerade den alteingesessenen Anbietern eine sehr gute Gelegenheit, in Themen wie Mobile Connectivity einzusteigen und Marktanteile hinzuzugewinnen. Das hierzu unabdingbare Hardware-Know-how bringen diese Anbieter von vornherein mit. Dies gilt insbesondere auch für neue Gebiete wie E-Mobility und autonomes Fahren, die einige Produktentwicklungsanbieter bereits in ihr Portfolio aufgenommen haben.

Im Product Engineering für Automobilhersteller übernehmen mehr und mehr Provider die Gesamtverantwortung für die Komplettentwicklung von Fahrzeugkomponenten, bei denen der Softwareanteil dominiert. Der Grund dafür ist, dass die Kunden immer weniger bereit sind, Leistungen lediglich nach Zeit und Aufwand zu bezahlen. In Zukunft wird es in der Produktentwicklung der Automobilindustrie immer schwieriger, das sogenannte Body Leasing zu betreiben.

Zunehmend wettbewerbsentscheidend ist auch die Fähigkeit der Serviceanbieter, Partnerschaften einzugehen und kontinuierlich auszubauen. Dazu zählen vor allem branchenspezifische Forschungseinrichtungen und Standardisierungsgremien, vermehrt aber auch große Technologieanbieter, wie zum Beispiel Apple oder Google, die Zukunftsthemen wie Mobile Connectivity vorantreiben. Die derzeitigen Grenzen zwischen den Automobilherstellern und Tier-1- beziehungsweise Tier-2-Lieferanten sowie zwischen Automobil- und Technologieunternehmen verschieben sich. In Zukunft werden netzwerkartige Beziehungen zwischen den Unternehmen auf verschiedenen Produktionsstufen mehr und mehr zunehmen.

Was die lokale Präsenz in Deutschland angeht, stellt sich das Profil der Product-Engineeringanbieter recht unterschiedlich dar. Neben Anbietern mit Schwerpunkt in Deutschland sind auch primär global agierende Anbieter mit international verteilten Delivery Centern tätig, die aufgrund der starken Stellung der Automobilindustrie in Deutschland auch hierzulande einen Schwerpunkt haben.

Im „Leader“-Quadranten des Studiensegments „Automotive – Product Engineering“ konnten sich sechs Anbieter positionieren: Altran, HCL, Infosys, L&T Technology Services, TCS und Wipro.

Abbildung: Positionierung der Anbieter von „Automotive – Product Engineering“ in Deutschland. Quelle: ISG Research, 2018.

Neben den Anbietern in der Produktentwicklung hat die Studie zwei weitere Teilmärkte der Automobilindustrie analysiert: „Manufacturing and Plant/Process Engineering“ sowie „Software/Digital and Platform Engineering“. Darüber hinaus untersuchte ISG die Prozessindustrie, unterteilt in die beiden Branchen „Chemieindustrie, Öl und Gas“ („Chemicals and Oil & Gas“) sowie „Gesundheitswesen und CPG“ („Lifesciences & Consumer Packaged Goods, CPG“).

Abbildung: Untersuchte Marktsegmente im „ISG Provider Lens Germany 2019 – Engineering Services“.

Automobilindustrie – Manufacturing and Plant/Process Engineering

Manufacturing and Plant/Process Engineering Services beschäftigen sich insbesondere mit der Planung, dem Design, der Anpassung, Optimierung und Wartung von Anlagen beziehungsweise von Produktionssystemen und -maschinen. Der Fokus liegt heute auf dem industriellen Internet of Things sowie Industrie-4.0-Anwendungsbereichen, wie zum Beispiel Connected Factories, Digital Asset Management, vorbeugende Instandhaltung, 3D-Druck oder Robotik/Automation. Dabei beobachtete die Studie eine verstärkte Nutzung von Technologien der Advanced Analytics. In diesem Marktsegment überwiegen Anbieter, die ihren Ursprung im klassischen Engineering haben und somit ihre langjährige Erfahrung bei Design und Konstruktion umsetzen können. Doch auch einigen IT-Service-Providern gelingt der Transfer ihres IT-Know-hows auf die Anwendung im Prozess sehr gut, sodass sich unter den Leadern in diesem Segment auch zwei dieser Anbieter finden.

Automobilindustrie – Software/Digital and Platform Engineering

Unter „Software/Digital and Platform Engineering“ erfasst die Studie die Entwicklung von Anwendungssoftware unabhängig von spezifischer Hardware. Dazu gehören insbesondere Anwendungsbereiche wie Konnektivität, Mobilität, vorbeugende Instandhaltung, Lieferkettenmanagement sowie Engineeringplattformen, wie zum Beispiel Product Lifecycle Management (PLM). In diesem Segment sind insbesondere diejenigen Provider stärker vertreten, die ihren Ursprung in der IT haben. Doch auch die Provider aus dem klassischen Engineering bauen ihre Kompetenzen im Kontext der digitalen Transformation erkennbar aus.

Chemieindustrie, Öl und Gas

Der zunehmende Einsatz von Elementen der digitalen Transformation etwa der Mobile Connectivity oder von Cloudplattformen führt zu übergreifenden Optimierungen, etwa in der Supply Chain, sowie zu erweiterten Möglichkeiten der Produktionssteuerung. Zudem wird dieses Segment durch Lösungen für die Betriebsführungsebene bestimmt, so etwa Manufacturing Execution Systems (MES) oder auch das Asset Management. An dieser Stelle nutzen die führenden Serviceanbieter unter anderem Advanced Analytics für Predictive Maintenance. Aber auch Simulationen von Anlagen kommen zur Anwendung. Auf der Ebene des „Software/Digital and Platform Engineering“ bestimmen regionenübergreifende Anbieter den Markt, da die Kunden dieser Branche vielfach weltweit agierende Konzerne sind. Funktionale Schwerpunkte sind zumeist die Optimierung der Produktion, die Simulation von Anlagen oder physikalischen Gegebenheiten, zum Beispiel Ölfeldern. Hinzu kommen Energie- und Umweltmanagement sowie Advanced Analytics für verschiedene Anwendungen.

Gesundheitswesen und CPG

In den Branchen „Life Sciences and Consumer Packaged Goods (CPG)“ spielen regulatorische Aspekte eine wichtige Rolle, insbesondere die GMP-Anforderungen (GMP: Good Manufacturing Practice) in der Pharmaproduktion. Sie stellen deshalb ein weiteres Differenzierungskriterium bei der Positionierung der Anbieter in diesem Segment dar. Auch in diesem Markt wirken Connectivity- und Cloudlösungen als zentrale Treiber im Rahmen der digitalen Transformation. Dazu gehört zum Beispiel die Vernetzung von MES-Systemen mit Lösungen zur Simulation von Anlagen. Im Hinblick auf eine möglichst zuverlässige Produktion ist auch die Automatisierung ein wesentlicher Treiber für die Engineering Services in diesem Markt. Im Teilmarkt „Software/Digital and Platform Engineering“ prägen zunehmend patientenbezogene Daten das Bild. Sie werden die Geschäftsmodelle in der Gesundheitsbranche zunehmend bestimmen, zum Beispiel in Form von Remote Patient Monitoring oder durch eine verstärkte Connectivity zwischen Ärzten, Krankenhäusern oder auch den Krankenversicherungen. Dies begünstigt Provider, die bereits über langjährige Erfahrungen mit IT-Services in diesen Bereichen verfügen und die branchenspezifischen Zertifizierungen erfüllen.

Weitere Informationen zur Studie, inklusive einer Liste der bewerteten Anbieter, finden Sie hier.

ISG Information Services Group und Experton Group vollenden Integration

Nach der im März 2016 erfolgten Akquisition vollenden ISG Information Services Group und die Experton Group nun ihre Verschmelzung zum 1. August 2017. An diesem Tag vollzieht das Unternehmen die komplette rechtliche Integration. Damit tritt die Experton Group ab sofort vollständig unter dem Namen von ISG auf. Die ehemaligen Experton Vendor Benchmarks wurden bereits im März 2017 in „ISG Provider Lens“ umbenannt und informieren auch in Zukunft Unternehmen, Serviceanbieter sowie andere Interessenten in gewohnter Weise und gewohntem Umfang über Marktentwicklungen in Deutschland und der Schweiz.

Das bisherige Team und Portfolio der Experton Group gehen als DACH-Einheit in die weltweite Service Line „Research“ von ISG über. Entsprechend übernimmt Jürgen Brettel als bisheriger Vorstandsvorsitzender der Experton Group AG nun als neuer Partner ISG Research die Leitung der ISG-Service Lines „Research“ sowie „Provider Services“ in der Region DACH. Die Integration des ehemaligen Experton-Group-Teams und -Portfolios erfolgte bereits in den vergangenen Monaten und wird mit der legalen Integration von ISG und Experton Group nun abgeschlossen [weitere Infos hier].