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Was auf die CIO-Agenda 2018 gehört

Als übergreifendes Thema und Megatrend steht nach wie vor die Digitale Transformation, die aber von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich interpretiert wird. Nur wenige Unternehmen haben eine Digitale Transformation in ihrem Unternehmenszielen bereits verankert.

Der CIO schaut natürlich mit großem Interesse auf die Technologietrends, hat aber doch teilweise sehr unterschiedliche Aufgaben und Herausforderungen. ISG hat diese in den 10 Top CIO-Prioritäten für 2018 zusammengefasst:

[Weitere Informationen finden Sie hier.]

Bankenbranche: Performance und Potenziale 2018 für ICT-Provider

Arnold Wagner

Arnold WagnerBanken und Sparkassen stehen vor einem längeren Anpassungsprozess, an dessen Ende ein deutlich schlankerer Bankensektor mit modularen Strukturen, weniger Banken und Filialen sowie effizienten Prozessen und IT-Strukturen stehen wird (Schlagwort: „Unbundling the Bank“). Der technologische Wandel und kurze Innovationszyklen verändern die Wertschöpfung der Bankenindustrie und komplette Geschäftsmodelle. Die Deutsche Bank treibt als Teil ihrer „Strategie 2020“ die Digitalisierung in allen Unternehmensbereichen voran und hat Investitionen von rund einer Mrd. Euro bis 2020 angekündigt. Die Commerzbank will bis 2020 rund 80 Prozent aller erfolgskritischen Prozesse digitalisieren und will rund 700 Mio. Euro pro Jahr in Digitalisierungsprojekte investieren. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau modernisiert seit 2013 ihre IT-Infrastruktur mit einem Budget von ca. 850 Mio. Euro („IT Strategie 2020“). Die Transformation der Banking-Geschäftsprozesse hin zu einem wettbewerbsfähigen digitalen Geschäftsmodell bietet eine kräftige Wachstumschance für ICT-Provider:

  1. Banking Operational Excellence (OpEX): OpEx-Initiativen stehen im Fokus des Bank-Managements (CFO, COO). Ziel ist die Neuausrichtung an der Gesamtstrategie durch die kontinuierliche und dynamische Optimierung sämtlicher Prozesse und IT-Systeme entlang der Wertschöpfungskette unter dem Gesichtspunkt der Effizienz (Cost-Income-Ratio). Auf der Agenda stehen Strategy Alignment, Prozess-, Organisations- und IT-Management sowie Performance Management. Um die aktuellen Ertragsprobleme nachhaltig zu lösen, brauchen Banken neue Ertragsstrukturen und müssen offen sein für neue Formen der Wertschöpfung.
  2. Banking Sourcing: Treiber sind die veränderten Rahmenbedingungen in der Bankenindustrie, die zu permanenten Anpassungen in der operativen Geschäftsarchitektur führen. Banken betrachten die ganze Bandbreite an IT-Delivery-Modellen vom Sourcing, über Managed Services bis hin zu Cloud Services als einen nachhaltigen Optimierungshebel. In den Geschäftsfeldern „Back-Office – Marktfolge“ ist eine deutliche Reduktion der Eigenfertigung und Substitution durch Sourcing zu erwarten. Ein Beispiel: Die Commerzbank und HSBC Transaction Services haben im Dezember 2017 ein Joint Ventures bei der Wertpapierabwicklung angekündigt (System „GEOS“ der Software Daten Service GmbH).
  3. Banking Compliance: Die IT-Infrastruktur der Banken wird zu den kritischen Infrastrukturen gezählt. ICT-Provider müssen die Systematik der regulatorischen und rechtlichen Vorgaben analysieren und rechtssichere Prozesse in die IT-Sourcing-Angebote implementieren. Relevant sind insbesondere folgende Standards: das Kreditwesengesetz (§ 44), die Mindestanforderungen an das Risikomanagement, die Anforderungen an die IT, die Datenschutz-Grundverordnung sowie das IT-Sicherheitsgesetz. ICT-Provider rücken damit immer stärker in den Fokus der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bzw. der Europäischen Zentralbank.
  4. Banking-Architektur: Die Legacy-IT-Architekturen der Banken müssen sich auf die neuen Erfordernisse der Digitalisierungsstrategie und Finanzmarktregulierung einstellen. Die IT-Architektur steht für den Erfolg einer jeden Digitalisierungsstrategie. Unflexible Prozesse und nicht agile Organisationen sind erhebliche Hürden für Veränderungen bei den Banken. Beim Aufbau digitaler Plattformen und Ökosysteme spielen APIs eine zentrale Rolle. Der CIO muss Erfolgskriterien (Digital KPIs – Reifegrad von digitalen Geschäftsmodellen) definieren, die den Transformationsprozess auf allen Ebenen treiben.
  5. Banking-IT-Infrastruktur: Banken ersetzen zunehmend ihre als Individualsoftware entwickelten Core-Banking-Systeme. Core Banking Transformation ist ein multidisziplinärer Ansatz, der Geschäftsstrategie, Technologie, Risikomanagement und IT-Compliance einschließt und ist mit erheblichen IT-Investitionen verbunden. Ein Beispielprojekt ist „Magellan 2.0“ der Deutschen Bank und Postbank Systems.
  6. Banking-Filial-IT: Banken und Sparkassen gestalten ihre dezentrale IT-Infrastruktur neu und integrieren sie in ihre Omnikanalstrategie. Sinkende Margen setzen den Betrieb des Filialnetzes unter Druck. Banken stehen vor der Herausforderung, Filialen zu transformieren, um die Effizienz zu steigern und zu geringeren Kosten zu betreiben, während sie gleichzeitig Kundenbeziehungen aufrechterhalten und pflegen müssen (Branch Lifecycle Management, Transformational Outsourcing). Die Sparkassen erwarten beispielsweise, dass Kunden die Kontaktpunkte zu ihrer Sparkasse vielfältiger nutzen – sei es per Chat, per Video, über das Call Center oder über das elektronische Postfach (Beispielprojekte sind „Internet-Filiale 6“ und „OSPlus_neo“).
  7. Banking Data Analytics: In Banken gibt es eine Vielzahl an Use Cases für Analytics Tools, -Methoden und -Technologien. Beispiele sind Fraud Management, Banksteuerung, Risikomanagement, Compliance und personalisiertes Marketing. Die Europäische Zentralbank hat mit dem granularen statistischen Kreditmeldewesen „AnaCredit“ den Fokus der Banken auf neue Reporting-Anforderungen gelegt. Es bietet sich an, AnaCredit mit anderen aktuellen Großprojekten zu verbinden. Die Finanz Informatik – der IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe - hat die Strukturierung und das Auflösen von Datensilos im Verbund zugunsten einer ganzheitlichen Datenhaltung und –analyse angekündigt. Die Deutsche Bank betreibt in Dublin ein Data Analytics Center of Excellence „The Hive“. Die Deutsche Börse hat ein „Content Lab“ implementiert.
  8. Banking IT-Operations Management: Die institutseigenen IT-Provider (Finanz Informatik, Fiducia & GAD IT, Commerz Systems, Allianz Technology SE, Postbank Systems etc.) sind zunehmend Treiber der strategischen Projekte in Richtung Digitalisierung, Kosteneffizienz, IT-Synergien und Innovationen. Diese IT-Dienstleister sind in der Planung und Implementierung auf externe technologische Expertise, Marktlösungen und Ressourcen dringend angewiesen. Beispiel dafür ist „agree21“, das gruppenweite Bankverfahren der Fiducia & GAD IT.
  9. Banking Digital Payments: Europäische Institutionen und viele Marktakteure arbeiten an der Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs, um den Binnenmarkt zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu unterstützen. Diese Standardisierungsbestrebungen, die zunehmende Digitalisierung und veränderte Kundenerwartungen erhöhen den Druck auf Banken, Unternehmen und Payment Service Provider, Prozesse, Services und Systeme zu transformieren. Europaweite Zahlungsinstrumente und moderne Infrastrukturen sollten zu neuen attraktiven Serviceangeboten führen und es Banken und Kunden ermöglichen, Effizienzen zu heben. Gleichzeitig entstehen neue paneuropäische Infrastruktursysteme für Echtzeitzahlungen, die teils von Banken und teils von Zentralbanken getragen werden. Ein Beispiel dafür ist Zahlungsdiensterichtlinie 2 (PSD2) der Europäischen Union.
  10. Banking Open Innovation: Banken entwickeln verstärkt Strategien zur Steigerung der Innovationsfähigkeit (Reifegradmodelle). Vernetzte Wertschöpfungen auf Plattformen ergänzen die linearen Geschäftsmodelle (Digital Cooperation Models). Banken beteiligen sich über gezielte Investitionen an FinTechs. Banken werden zukünftig verstärkt Teil der Industrie 4.0 durch komplett verzahnte Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette (IoT-Payments bzw. M2M-Payments). Ein Top-Thema im Banking ist weiterhin Cyber Security.

Fazit

Die Bankendichte in Deutschland ist derzeit mit etwa 1.900 Kreditinstituten im Vergleich zu anderen Ländern immer noch hoch. Die Größenunterschiede zwischen den deutschen Banken sind sehr ausgeprägt. Den Großbanken und Landesbanken, die in der Regel auch international aktiv sind, steht eine Vielzahl mittlerer und kleinerer Banken gegenüber. Unterschiedlich sind auch die Rechtsformen: Die Banken sind privatrechtlich, öffentlich-rechtlich oder genossenschaftlich organisiert. Die Business- und IT-Strategien im Bankenmarkt unterscheiden sich erheblich und erfordern von ICT-Providern hinsichtlich Account-, Business- und Marketing Management fokussierte Lösungen und Beratungsansätze. Zielführend sind Markttransparenz und die genaue Kenntnis der strategischen Projekte, CIO-Prioritäten, Technologietrends, Werttreiber, Budgets und Entscheidungsstrukturen.

Der digitale Servicekatalog

Abbildung: Der digitale Servicekatalog als Kernstück der Digitalisierung in der Finanzbranche. Quelle: ISG Germany, 2018.

ISG Information Services Group und Experton Group vollenden Integration

Nach der im März 2016 erfolgten Akquisition vollenden ISG Information Services Group und die Experton Group nun ihre Verschmelzung zum 1. August 2017. An diesem Tag vollzieht das Unternehmen die komplette rechtliche Integration. Damit tritt die Experton Group ab sofort vollständig unter dem Namen von ISG auf. Die ehemaligen Experton Vendor Benchmarks wurden bereits im März 2017 in „ISG Provider Lens“ umbenannt und informieren auch in Zukunft Unternehmen, Serviceanbieter sowie andere Interessenten in gewohnter Weise und gewohntem Umfang über Marktentwicklungen in Deutschland und der Schweiz.

Das bisherige Team und Portfolio der Experton Group gehen als DACH-Einheit in die weltweite Service Line „Research“ von ISG über. Entsprechend übernimmt Jürgen Brettel als bisheriger Vorstandsvorsitzender der Experton Group AG nun als neuer Partner ISG Research die Leitung der ISG-Service Lines „Research“ sowie „Provider Services“ in der Region DACH. Die Integration des ehemaligen Experton-Group-Teams und -Portfolios erfolgte bereits in den vergangenen Monaten und wird mit der legalen Integration von ISG und Experton Group nun abgeschlossen [weitere Infos hier].