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AWS sagt „Cloud is the new normal” – ISG-Research bestätigt

Heiko Henkes

Die Ausgaben für cloudbezogene IT-Services werden 2018/2019 die Ausgaben für Non-Cloud-Services überholen. Besonders betroffen sind das traditionelle Hostingsegment sowie die Softwarebranche.

AWS ist der Public-Cloud-Pionier und inzwischen auf einem Level der Enterprisekonformität, die zum einen ihresgleichen sucht und zum anderen längst über die negativen Attribute des Wortes „Public“ hinweg ist. Eine solche Cloud sollte vielmehr als Multitenancy und/oder Hyperscaler Cloud bezeichnet werden. Mit Öffentlichkeit und somit leichtem Zugang für Dritte hat das AWS-Konzept nicht mehr viel zu tun. Im Gegenteil, die AWS Cloud ist weitaus sicherer als viele andere Cloud- oder Non-Cloud-Systeme, da sie sehr viele Sicherheitsfeatures sowie ein Monitoring bietet, worüber Kunden einen Grad der Transparenz über die Systeme erhalten, der zu einem enormen Sicherheitsgewinn führt.

Harte Fakten zu etablierten Services

Womit verbinden Kunden in der Regel die AWS Cloud?:

  • Extreme Agilität, globale Skalierung (Brooks Brothers, Netflix und LexisNexis)
  • Schnelle bzw. reduzierte Zeit für Deployments von Wochen auf Tage (Unilever)
  • Ein breites und äußerst tiefes Portfolio (Hulu)

Kunden wissen darüber hinaus die Servicevielfalt und Innovationsgeschwindigkeit zu schätzen. Derzeit ist Aurora der am schnellsten wachsende Dienst auf AWS und macht somit etablierten Datenbanken von Microsoft und Oracle Konkurrenz. Das Ganze liefert AWS nun auch noch „serverless“ und hochgradig automatisiert. Klingt sexy!

Abbildung: Aurora Preview. Quelle: AWS.

Datenbankservices, zu denen auch Amazon Redshift und Dynamo DB mit inzwischen über 100.000 Usern gehören, liegen also im Trend. Auf der anderen Seite verzeichnet AWS über 170.000 User auf dem eigenen Cloudmarktplatz – dieser bietet standardisierte Produkte und Services aus dem eigenen Haus sowie Lösungen von tausenden von Drittanbietern. Mit dem ehemaligen Buchgeschäft hat dies nichts zu tun! Wobei die Beliebtheit vielleicht übertragbar ist. AWS liegt mit diesem Angebot im Leaderquadranten der jüngsten ISG-Provider-Lens-Studie zum Thema Cloudmarktplätze.

Abbildung: Positionierung der Anbieter von Cloud Marketplaces in Deutschland. Quelle: ISG, 2018.

Viele Anwender reduzieren Cloud Computing nach wie vor auf den Cloudspeicher und ab und an auch auf die schier unendlich zur Verfügung stehende Rechenleistung in Pay-as-you-go-Manier. Wenngleich aktuelle Clouds wesentlich mehr bieten, ist doch Amazon S3 als DER Standard-Cloudspeicher im Markt hervorhebenswert. Kaum ein Anbieter von Cloud Services kann es sich leisten zu diesem Standard nicht kompatibel zu sein. Amazon S3 verwaltet bereits Billionen von Objekten!

Featureflut oder Pace of Innovation

AWS lancierte 2017 über 1.400 Services und bring damit ungefähr drei Feature Upgrades oder -Services pro Tag auf den Markt. Wer kann da mithalten oder den Überblick behalten? Diese Herausforderung hatten wir schon häufiger als Herausforderung im Rahmen unserer Vendor Benchmarks bzw. ISG-Provider-Lens-Studien formuliert.

Abbildung: Pace of Innovation. Quelle: AWS.

Ungebremstes und gestiegenes Wachstum

Mit einem Quartalsumsatz in Q1/2018 von 5,4 Mrd. Dollar und einem hochgerechneten Jahresumsatz von 22 Mrd. Dollar wächst AWS im ersten Quartal 2018 um 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahr! Damit nicht genug, im vierten Quartal des Jahres 2017 waren es 45 Prozent Year-over-Year und 2016 im vierten Quartal noch 47 Prozent. Wer hätte gedacht, dass es bei dieser phänomenalen Wachstumsrate noch weiter nach oben geht? Den Anleger freut es natürlich.

AWS: Locally focused and globally balanced

AWS hat schon früh damit begonnen, in Deutschland in Form von lokaler Datenhaltung oder BSI-Grundschutzkonformität zu punkten. Die regionale Ausbreitung von AWS in Deutschland über Berlin, Dresden, München und Frankfurt ist dabei bemerkenswert. Vertrieb, Support, Training und Professional Services werden von AWS aus Deutschland heraus geliefert. In Berlin und Dresden entstehen neue Produkte, die dann auch global ausgerollt werden. Die frühzeitige DSGVO-Konformität von AWS ist also kein Einzelfall für Services aus Deutschland, die global aufgegriffen und als Best Practice hergenommen werden. Auf der anderen Seite baut AWS weiter an der Skalierung und Redundanz in Form einer dritten Availability Zone in Frankfurt, die 2017 eröffnet wurde.

Abbildung: AWS in Deutschland. Quelle: AWS.

Insgesamt bietet AWS 55 Availability Zones in 18 Regionen an. 12 weitere solcher Verfügbarkeitszonen sind bis Anfang 2019 geplant. Dies ist besonders für latenzkritische Applikationen im Rahmen von IoT- bzw. Edgeanwendungen von Bedeutung. Berlin, München und Frankfurt sind Edge Locations. Weitere Standorte für die Nähe der AWS-Teams zum Kunden innerhalb von Deutschland sind geplant.

Machine Learning / AI und Cloud verstehen sich gut

Cloud Computing schuf die Möglichkeiten des für schnelle Entwicklungen (Rapid Prototyping) in dezentralen Netzwerken. Unternehmen profitieren inzwischen von der Welle der Automation und natürlich auch von der damit einhergehenden künstlichen Intelligenz in Form eines Helfers und Beschleunigers. Als Treiber des Arbeitsplatzabbaus ist diese Entwicklung hingegen für einige ältere Beschäftigte eine große Herausforderung. Man muss umdenken und umschulen. Besonders Sales und Marketing sind davon betroffen – weitere folgen. Der Fortschritt ist aber nicht aufzuhalten, so dass das folgende Beispiel die Breite der Anwendungsvielfalt dieser zukunftsträchtigen Technologie demonstriert.

Abbildung: Machine Learning at AWS. Quelle: AWS.

AWS SageMaker ist in diesem Kontext ein nennenswerter und interessanter Service, mit dem Kunden Machine-Learning-Modelle verschiedenster Größenordnungen erstellen und implementieren können. Spannend daran ist, dass die folgenden „Building Blocks“ auf Basis dieser Machine-Learning- bzw. AI-Technologien zu unmittelbaren Verbesserungen digitaler IT-Services und somit moderner Produkte führen. Die Verbesserungen liegen beispielsweise in erweiterten Möglichkeiten im Go-to-Market bzw. der Verbesserung im Kundendialog.

Abbildung: AI/MLaaS als Enabler smarter Apps. Quelle: AWS.

AWS stößt trotz der Liebe zur Technik immer weiter in bedeutende Disziplinen außerhalb dieses Gebietes vor.

AWS ist ein Partner (-unternehmen)

Partner Driven Business ist das Stichwort, zu dem AWS inzwischen eine sehr gute Antwort gibt, bzw. ein Programm aufgelegt hat. Mit zahlreichen Zertifizierungen und Trainings weiß AWS die Partner individuell abzuholen und auf künftige Anforderungen vorzubereiten. Es ist eine Win-Win-Situation, in der man sich gegenseitig hilft und natürlich auch Kunden zuschanzt. Aus Sicht von ISG hat derzeit besonders das neue AWS Migration Acceleration Programm (MAP) großes Potenzial die aktuellen Kundenanforderungen hinsichtlich der effizienten Überprüfung der Cloud Application Readiness zu überprüfen und die selektive Migration vorzubereiten und durchzuführen. Speziell die deutschen hosting- und infrastrukturorientierten Provider sollten sich dieses Programm ansehen. Hier steckt viel „Musik“ drin.

Welche Partner hier in Deutschland auf der Welle des Erfolgs mitsurfen wollen und dies tun, zeigt die nachfolgende Grafik zu Silber-, Bronze- und Marktplatz-Sponsoren:

Abbildung: AWS-Summit-Sponsoren. Quelle: AWS.

Kundenstruktur

AWS ist längst in Konzernen und im gehobenen Mittelstand sowie weiteren Marktsegmenten wie dem öffentlichen Sektor angekommen. Es sind also längst nicht mehr nur kleine Startups oder einzelne Fachabteilungen im Rahmen einer Schatten-IT, weil die interne IT nicht performt. Es sind die großen Brands, die auf AWS vertrauen und monatlich hunderttausende von Dollars in das AWS-Ökosystem pumpen.

Abbildung: AWS-Kunden in DACH. Quelle: AWS.

Laut AWS-Deutschlandchef Klaus Bürg vertrauen inzwischen über 80 Prozent der DAX-30-Unternehmen aus Deutschland auf die AWS Cloud.

Neben den erfolgreichen Partnerprogrammen ist AWS aber auch über die User Groups nah an die Kunden herangerückt und bietet über dieses Forum neue Chancen und Möglichkeiten des gegenseitigen Austauschs. Hier erfahren Kunden aus erster Hand praktische Beispiele und Erfahrungen, um leichter mit AWS umzugehen und neue Anregungen für den Einsatz und somit neue Geschäftsmöglichkeiten zu erhalten.

AWS ist mit Legacysystemen und etablierten Größen verwurzelt

Brands wie Otto, Daimler, Continental oder Siemens sowie Deutsche Bahn demonstrieren die Bedeutung von AWS und die Bandbreite an Kunden. Gründe für die hohe Attraktivität von AWS liegen jedoch nicht nur in der Innovationskraft mit neuen eigenen Services, sondern in der Zusammenarbeit mit weiteren Marktführern wie beispielsweise SAP oder VMware.

Die Zusammenarbeit mit SAP begann 2008, als SAP Kunde von AWS wurde. Das ist nun zehn Jahre her. Die Partnerschaft, die sich aus dieser Kundenbeziehung entwickelte, war durch verschiedenste Engineering Milestones gekennzeichnet. Dazu zählen beispielsweise die Lauffähigkeit der SAP Business Suite, der HANA Developer Edition, S/4 Hana, HEC oder SCP on AWS sowie Hybris on Aurora. Weitere werden folgen und somit weitere Gründe für SAP-Kunden liefern, SAP-Services on AWS zu nutzen.

Die Kooperation mit VMware, dem Primus im Bereich Virtualisierung und Private Cloud, ist dagegen frisch und soll eine Win-Win-Situation bieten. AWS rückt mehr in die Richtung einer Hybrid-Cloud-Konformität, da Kunden ihre Workloads vergleichsweise einfach in die AWS-gehostete Public Cloud für VMware schieben können. VMware selbst kommt um den Aufbau einer Public Cloud herum und geht neben der etablierten Kooperation mit IBM eine weitere nicht ganz unbedeutende Partnerschaft ein. Von dem VMware-Versuch eigene Public Cloud Services zu lancieren spricht inzwischen kaum noch jemand. Es war auch ein kurzes Intermezzo. Es spricht also einiges für diese Kooperation. Aus Kundensicht gibt es jedoch auch Nachteile wie beispielsweise der fehlende Proofpoint aufseiten von VMware in Bezug auf den professionellen Betrieb einer Public Cloud. Kunden haben nämlich mit VMware eine Vertragsbeziehung, und somit ist auch VMware in der Pflicht der Operations, nicht AWS. Zum anderen müssten Kunden für den Betrieb von VMware auf AWS neue Lizenzen erwerben.

Sofern einige Unternehmen den Vertrag mit AWS aufgrund der US-amerikanischen Herkunft gescheut haben, besteht nun die Chance, einen Vertrag mit einem neugegründeten AWS-EU-Unternehmen (in der Rechtsform einer S.à.r.l) aus Luxemburg zu schließen. Vielleicht ist dieser Schritt nun Grund genug für den Schritt in die AWS Cloud und überzeugt auch viele Zögerer am lokalen Markt.

Fazit und persönlicher Eindruck

Das AWS Summit war erneut spannend, eindrucksvoll und mitreissend. Dieses Event zeigt klar, wie gut AWS in Deutschland angekommen ist – 6.000 Besucher sind ein neuer Rekord. Hier spielt förmlich die Musik in Form von Innovationen und Erfolgsgeschichten. Die Keynotes waren ein wahres Feuerwerk und haben das Publikum elektrisiert. Besonders Endkundenstories und Use-Case-Schilderungen wie von Otto oder SAP als Kunde und Partner haben zu überzeugen gewusst.

Abbildung: Persönliche Momentaufnahme, AWS Summit Keynote.

Stories von Kunden und Partnern belegen den „Spirit“ und „Drive“ des AWS-Ökosystems sehr eindrucksvoll, so dass sich Mitbewerber von AWS weiterhin warm anziehen müssen. Allerdings ist natürlich auch zu konstatieren, dass AWS selbst so gut wie keine Businessapplikationen wie beispielsweise von SAP oder von Microsoft entwickelt bzw. anbietet und somit noch eine Reise auf der Cloud-Leiter zu klettern hat. Microsoft schläft nämlich nicht und verzeichnet ebenfalls ein enormes Wachstum und vor allem eine erfolgreiche Cloudtransformation im Enterprise-Software-Portfolio trotz erfolgreicher Aufholjagd in den Bereichen IaaS und PaaS.