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Die Industriedrohne – der fliegende Roboter

Holm Landrock

Als die ersten wendigen Spielzeugdrohnen auf den Markt kamen, bestand der Fun Factor darin, Selfies aus der Luft zu schießen und schicke Videos mit neuen Perspektiven zu drehen. Dann eroberten die schnellen Copter eine neue Nische im internationalen E-Sport mit dem „Drone Racing“. Seither sind die intelligenten Senkrechtstarter (Microcopter) technisch enorm anspruchsvoll geworden, und beweisen sich als ernstzunehmende Industriegeräte, die auf vielen Gebieten punkten können. Die intelligenten UAVs (Unmanned Areal Vehicles) mit einem Durchmesser von ca. 60 cm bis 1,5 m und einem Gewicht bis zu 10 kg sind inzwischen weit mehr als Lastenträger für hochauflösende Kameras und Messtechnik. Als Industriearbeitsmittel ernstzunehmen sind die Multicopter, seit sie mit Sicherheitsfeatures ausgestattet sind, wie dem Erkennen von Hindernissen, redundanten Ausstattungsteilen und hochpräzisen, mehrfach abgesicherten Flugmodi. Als Helfer für Behörden der Sicherheit bei Katastrophen und Unfällen retten Drohnen bereits Leben. Sie sind sinnvolle Ergänzungen bei der Vermessung oder der Überwachung von Anlagen. Ihre Fähigkeit zur Aufnahme von Messgeräten macht Schadstoffanalysen und Multispektralaufnahmen möglich. 

Ein Markt mit wachsender Bedeutung

Das Hamburger Unternehmen Drone Industry Insights listete in seiner “Drone Market Environment Logo List 2016” 711 Unternehmen auf, die sich mit Drohnen beschäftigen. Diese Liste umfasste:

  • 210 Plattformhersteller
  • 143 Serviceanbieter
  • 112 Hersteller von Komponenten und Systemen
  • 69 Universitäten, Institute und Forschungsprogramme
  • 53 Softwarehersteller
  • 40 Zeitschriften, Nachrichtendienste, Blogs und Magazine
  • 33 Vereinigungen, Organisationen und Initiativen
  • 22 Konferenzen und Veranstaltungen
  • 11 Marktplattformen für Drohnenpiloten
  • 11 Versicherungen
  • 7 Anwendervereinigungen und Netzwerke

Ein Jahr später enthielt die Liste bereits 1.000 Unternehmen. Im professionellen Sektor haben sich zahlreiche Anbieter etabliert, die mit der Hobbydrohne nichts mehr gemein haben. Gewerbliche Anwender oder Nutzer aus dem öffentlichen Sektor erzielen mit den einfachen Drohnen nicht die gewünschten Ergebnisse und wechseln deshalb zu Industriedrohnen.

Einer Schätzung der Europäischen Kommission zufolge könnten allein in der Drohnenfertigung in Europa bis 2050 rund 150.000 Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kommen die Arbeitsplätze der für Industriedrohnen unerlässlichen Drohnenpiloten. Die Anbieterlandschaft ist indes sehr volatil. In kurzen Zyklen erscheinen Drohnenanbieter auf dem Markt und verschwinden ebenso kurzfristig wieder durch Übernahmen oder Geschäftsaufgaben.

Bald werden die fliegenden Roboter auch aus industriellen Wertschöpfungsprozessen nicht mehr wegzudenken sein. Das gilt von der Prozessindustrie über Logistikunternehmen bis hin zu Versorgungsunternehmen.

Die spannende Frage lautet, wann diese Transformation eintritt und die neue Technologie die hohen Ansprüche der Industrie 4.0 erfüllen wird. Trendstudien kommen zur Aussage, dass der Markt für Industriedrohnen in der Phase der „überzogenen Erwartungen“ stecke, obwohl Milliardenumsätze prognostiziert sind und ein disruptiver Hebel für viele Branchen in diesen High-Tech-Systemen steckt. Auf dem deutschen Anbietermarkt gibt es eine Vielfalt an kleinen Unternehmen, die sich gegen den Marktriesen DJI aus China behaupten wollen.

Welche dies sind, erläutert das Buch „Die Industriedrohne - der fliegende Roboter“ aus dem Wissenschaftsverlag Springer Vieweg. Zusammen mit Anne Baumgärtel gebe ich darin eine Bestandsaufnahme des Marktes, seiner Technik, seiner Player und seines Leistungsvermögens. Von bekannten und erprobten Drohneneinsätzen wie Film und Vermessung bis hin zu den Zukunftspotenzialen der Robotik aus der Luft, wie Sensorik, Big Data und Artificial Intelligence wird diese Technologie erforscht. Enthalten sind auch Kalkulationsbeispiele, mit Empfehlungen für den Kauf einer Industriedrohne und einer Tabelle ihrer notwendigen oder variablen Parameter, die bislang noch wenig vergleichbar waren.

„Die Industrie-Drohne – der fliegende Roboter“ von Landrock/Baumgärtel erschien kürzlich im Verlag Springer Vieweg (ISBN-10: 365821354X, ISBN-13: 978-3658213541).