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Die Verlagerung der eigenen IT-Infrastruktur zu einem Colocation-Dienstleister ist eine attraktive Alternative zum eigenen Rechenzentrum

Wolfgang Heinhaus

Wolfgang HeinhausViele Rechenzentren in den Unternehmen sind inzwischen in die Jahre gekommen. Durch die Virtualisierung auf allen Ebenen und einer damit möglichen reduzierten Anzahl von physikalischen Infrastrukturkomponenten wurde zwischenzeitlich für Entlastung gesorgt. Inzwischen kommen die Rechenzentren aber häufig wieder an Kapazitätsgrenzen (Platz, Stromversorgung, Kühlung etc.), sodass über eine Ertüchtigung oder einen Neubau des Rechenzentrums nachgedacht werden muss. In den meisten Fällen ist allerdings ein Housing- bzw. Colocation Ansatz wirtschaftlich sinnvoller und schneller umzusetzen. Darüber hinaus wird es in zunehmenden Maße schwieriger, die vom Gesetzgeber verordneten sowie eigenen strengen Compliance-Anforderungen einzuhalten. Viele Unternehmen stellen deshalb Überlegungen an, ihre IT-Infrastruktur ganz oder teilweise zu einem Colocation-Dienstleister zu verlagern, andere haben es bereits umgesetzt. Die Nachfrage nach Colocation-Flächen ist ungebrochen. Laut eco-Verband und Arthur D. Little werden derzeit rund 0,6 Mio. Quadratmeter auf dem deutschen Markt angeboten, Tendenz deutlich steigend. Die Colocation-Anbieter reagieren auf den Bedarf, erhöhen ihre Kapazitäten und bauen weitere Datacenter, dagegen sollen die Rechenzentren im Eigenbetrieb der Unternehmen und Behörden bis 2019 auf 0,9 Mio. Quadratmeter deutlich schrumpfen.

Was umfasst Colocation bzw. Housing?

Colocation bzw. Housing ist der Begriff für die Unterbringung von kundeneigenen IT-Systemen wie Servern und Speichersystemen im Rechenzentrum eines Dienstleisters. Der Dienstleister stellt das notwendige LAN-Netzwerk sowie die WAN-Anbindungen zur Verfügung. Die IT-Systeme werden in dafür geeigneten Räumen betrieben. Die Anbieter verfügen über ein hohes Maß an Sicherheit in Ihren Gebäuden, was in eigenen Datacentern nur mit großem Aufwand und hohen Kosten erreicht werden kann. Klimatisierung, redundante Stromzufuhr, eine mehrfach abgesicherte unterbrechungsfreie Stromversorgung, redundante Netzersatzanlagen, zentrale Löschanlagen sowie eine Videoüberwachung gehören zur Standardausstattung eines Colocation-Rechenzentrums und sorgen für eine hohe Verfügbarkeit. Qualifiziertes Personal überwacht die Systeme und behebt auftretende Probleme rund um die Uhr. Mit dem Dienstleister können umfangreiche SLAs vereinbart werden, die für einen reibungslosen Betriebsablauf sorgen. Es werden Racks für einzelne Systeme, Cages als eigener abgetrennter Bereich bis hin zu Suites (Rechenzentrum im Rechenzentrum) angeboten. Flächenerweiterungen bei Ausdehnung der eigenen IT-Infrastruktur sind meist kein Problem. Die Anbieter verfügen in der Regel über ausreichende Reserveflächen. Der Zugang wird mit einer aufgezeichneten Zutrittskontrolle gesichert.

Im Rahmen von Colocation kann der Betrieb weiterhin von den eigenen Administratoren ausgeführt werden. Die Dienstleister bieten auch Dienste an, bei denen dem Kunden vereinbarte Routineaufgaben abgenommen werden können wie beispielsweise die Datensicherung, Patch-Einspielungen, Hardware-Austausch, Server-Erweiterungen sowie das Zurverfügungstellen von Speicherkapazitäten. Zahlreiche Dienstleister übernehmen auch den kompletten Betrieb der IT-Infrastruktur als Managed Infrastruktur Service bis hin zur Überwachung der Applikationen.

Oft sind die Standorte in der Nähe des Kunden angesiedelt. In diesem Fall reicht eine Dark-Fibre-Anbindung vom Kunden zum Datacenter des Dienstleisters; dabei müssen noch nicht einmal die IP-Adressen umgestellt werden. Die Dienstleister haben in ihren Datacentern meist zahlreiche Carrier gehostet, die in kürzester Zeit Konnektivitäten zu anderen Destination zur Verfügung stellen können. Darüber hinaus verfügen sie über Verbindungen zu den wichtigsten Internetknoten und über sichere Verbindungen zu Cloud-Providern wie beispielsweise AWS und Microsoft mit Azure.