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Gehört Edge Computing die Zukunft?

Wolfgang Heinhaus

Die Anforderungen an Rechenzentren verändern sich im Zuge der Digitalisierung dramatisch. Die Antwortzeiten zwischen den Endgeräten und der zentralen IT reichen heute in vielen Fällen nicht mehr aus. Das enorme Wachstum von IoT bzw. Industrie 4.0 zwingt zu neuen Anwendungen, bringt große Datenmengen mit sich und verlangt kurze garantierte Latenzzeiten - oft in Echtzeit, die mit geografisch entfernten Datacentern nicht zu erreichen sind. Edge Computing soll dieses Ziel erreichen.

Edge Computing ist eine Voraussetzung für die Verarbeitung von IoT-Daten in Echtzeit

Das klassische Datacenter ist in einer Netzwerkarchitektur als zentraler Mittelpunkt on-premises oder in die Cloud eingebunden. Die Daten werden dabei von den netzgebundenen Endgeräten an das Rechenzentrum gesendet und verarbeitet. Das erfordert eine entsprechende Bandbreite und zieht Latenzen nach sich.

Edge Computing steht dagegen für kleine dezentrale Rechenzentren, die am äußeren Netzwerkrand (Edge = Rand) nahe dem Entstehungsort der Daten angesiedelt sind, um die Latenzzeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Die Endgeräte sind mit Sensoren ausgestattet, die die Daten aufnehmen und an den Edge Computer weiterleiten. Dort werden die Daten blitzschnell verarbeitet und die Ergebnisse in Echtzeit zurückgemeldet, um beispielsweise den Produktionsablauf bei Bedarf automatisch zu korrigieren oder zu verändern. Die Daten können gefiltert werden, und nur die sinnvollen Daten werden für eine weitere Datenverarbeitung und Archivierung an das zentrale Rechenzentrum transportiert. Mit Edge Computing wird ein Zwischenbereich eingerichtet, der die Verbindung zum zentralen Datacenter und der IoT-Sensorik in den Endgeräten herstellt. Ziel ist es, die Latenzzeiten gering zu halten und eine Netzüberlastung durch das hohe Datenvolumen zu verhindern.

Anwendungen, die kurze Latenzzeiten verlangen, betreffen im Bereich IoT/Industrie 4.0 beispielsweise die Datenkommunikationen mit den Produktionssteuerungen. Um den Produktionsablauf nicht zu gefährden, können verzögerte Steuerungen von Maschinen und Robotern nicht in Kauf genommen werden, nur weil zu entscheiden ist, wie mit einer aktuellen Situation umzugehen ist. Im IoT-Umfeld werden immer größere Datenmengen anfallen, die hohe kostenintensive Bandbreitenkapazitäten beanspruchen werden, wenn sie über die DFÜ- Leitungen zum zentralen Rechenzentrum geleitet werden. Der Einsatz von Edge Computing entlastet hingegen die Datenleitungen und reduziert die Kosten.

Das Angebot

Es treten immer mehr Anbieter auf den Markt, die schlüsselfertige Edge-Computing-Lösungen, bestehend aus Rack, Server, Storage, Netzwerk und der Facility wie Stromversorgung, Klimatisierung, Feuerlöschanlage, Zugangssicherung und Monitoring, offerieren. Die Produkte können in wenigen Tagen installiert und bei Bedarf problemlos modular erweitert werden. Die Racks können in Gebäuden oder Containern aufgestellt werden. Colocationanbieter, die in Anwendernähe angesiedelt sind, bieten einen idealen Standort, um die Hardware sicher unterzubringen und garantieren geringe Latenzzeiten. Service Provider können den Support übernehmen und sorgen für einen reibungslosen Ablauf.