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Jahreskongress der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe 2018

Holm Landrock

Dieser Tage fand auf der neuen Leipziger Messe im Congress Centrum Leipzig der Jahreskongress der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) statt. Neben den Keynotes gab es für die 5.000 Besucher eine Ausstellung und eine große Zahl an Vorträgen zu fast allen Themen, wobei die Vorträge nicht nur von SAP und SAP-Partnern, sondern vor allem auch von Anwendern gehalten worden sind. Intensive Gespräche mit Anwendern und Anbietern schärfen den Blick auf die aktuelle Situation der Informationstechnik hierzulande.

Die DSAG hat unter anderem eine Studie vorgestellt, die wir auch den Lesern unseres Newsletters nicht vorenthalten wollen. So fragte die DSAG ihre Mitglieder unter anderem, wie weit sie in der Selbsteinschätzung mit der digitalen Transformation vorangekommen wären. Als die Frage dem Auditorium gestellt wurde, ob sie „weit“ vorangekommen wären, gingen nur wenige Hände nach oben. In der Statistik der Umfrage waren es immerhin 34 Prozent der Antwortenden, die „weit“ vorangekommen sind. Das ist ein Zuwachs gegenüber 2017 von drei Prozentpunkten, wirft aber auch Fragen auf: Ist es deutsche Zurückhaltung oder sind zwei Drittel der Unternehmen wirklich der Meinung, noch nicht weit vorangekommen zu sein? Das wäre für ein Technologieland nicht unbedingt eine Auszeichnung.

Auch das Thema Cloud Computing spielte eine Rolle in der DSAG-Umfrage zur digitalen Transformation. Interessante Aussagen brachte die Frage, welche Prozesse in die Cloud verlagert würden. 48 Prozent der Studienteilnehmer verlagern Marketing- und Vertriebsprozesse in die Cloud. Ihre Kernapplikationen wollen hingegen nur 10 Prozent in die Cloud verlagern. Lösungen nicht ausschließlich für die Nutzung in der Cloud zu entwickeln, sei eine Forderung, die die DSAG daraus ableite. Bestätigt wird das durch die Antworten auf die Frage nach der Treue gegenüber dem klassischen ERP. 73 Prozent der Antwortenden sehen weiterhin eine sehr hohe Relevanz von ERP-Systemen.

Diskussionsthemen: Support und Abrechnungsmodelle

In der IT-Branche wird seit einiger Zeit mit großem Eifer darüber diskutiert, dass SAP ERP ab 2025 nicht mehr supportet wird. Die deutschen SAP-Anwender haben sich zu SAP bekannt. Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service & Support erklärte in Leipzig: „Die Anwender können sich darauf verlassen, dass SAP ECC 6.0 bis 2025 in der Wartung ist.“ Der SAP-Vorstand für Produkte & Innovation Bernd Leukert dazu: „SAP ist der einzige Softwareanbieter, die ein Commitment zu seinen Produkten über sieben Jahre in die Zukunft abgibt – und bei zwanzig Jahren Marktpräsenz des Produkts.“ Das ist eine Ansage. Denn nach der Umfrage der DSAG sind sich derzeit erst 41 Prozent der Antwortenden Unternehmen sicher, dass sie bis 2025 die SAP Business Suite mit S/4HANA abgelöst haben werden.

Forderungen formulierte die DSAG hinsichtlich der Abrechnungsmodelle. Sogenannte vertikale Lizenzen sollen die Nutzung von Anwendungen auch in der Cloud vereinfachen, damit nicht (wie derzeit oft praktiziert) eine Anwendung drei Mal bezahlt wird: über die Lizenzkosten, über die Wartungs- und Serviceverträge (mit denen schlussendlich auch die Weiterentwicklung der Produkte finanziert wird) sowie über die Betriebskosten, also der eigentlichen Nutzung, insbesondere in der Cloud. Das stößt bei vielen Anwendern auf Unverständnis. Anbieter von IT-Lösungen können hier generell mit neuen Konzepten punkten. Mit der Vielzahl an Themen und Vorträgen, der Branchenvielfalt und den ISVs in der Ausstellung darf der DSAG-Jahreskongress in Leipzig als Fenster zum gesamten deutschen IT-Markt betrachtet werden.