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T-Mobile USA und Sprint: Neuer Angang, aber noch kein Merger

Dr. Henning Dransfeld

Dr. Henning DransfeldDiese Woche wurde bekannt, dass ein Dauerbrenner in der Telekommunikationsbranche endlich zum Abschluss gebracht werden könnte. Bereits zum dritten Mal wurde seitens der Deutschen Telekom die Absicht bekundet, die eigene Mobilfunktochter in den USA mit dem kleinsten netzbasierten Anbieter, Sprint, zu verheiraten. Im Jahre 2014 wurde dies von der Regierung Obama aus wettbewerbsrechtlichen Bedenken verhindert, 2016 scheiterte die Fusion am Hauptaktionär von Sprint, dem japanischen Tech Investor Softbank.

Warum gibt es einen dritten Angang?

  1. Die Deutsche Telekom hat Handlungsdruck. Derzeit konkurrieren vier netzbasierte Anbieter um Mobilfunkkunden in den USA. T-Mobile in den USA ist alleine zu groß, um es zu verkaufen, aber zu klein, um sich gegen die Mega-Konkurrenten Verizon und AT&T langfristig durchzusetzen.
  2. Die Aussichten auf eine glatte Übernahme sind gewachsen. T-Mobile konnte in den letzten zwei Jahren den Abstand zu Sprint etwas vergrößern. Im ersten Quartal diesen Jahres stieg der Umsatz auf 10,5 Milliarden Dollar gegen 8,1 Milliarden für Sprint. Damit unterstreicht T-Mobile den Anspruch auf den CEO-Posten. Die Finanzmärkte reagieren wenig euphorisch, Sprint stieg verhalten, und T-Mobile hat die starken Gewinne des ersten Tages kurzzeitig wieder abgegeben.

Nachdem die Verhandlungen abgebrochen und dann wieder aufgenommen wurden sieht es so aus, als ob sich alle drei Parteien, T-Mobile, Sprint und Softbank diesmal einig sind. Damit wurde eine wichtige Hürde genommen. Was bleibt, ist die Unsicherheit in Bezug auf die amerikanische Regulierungsbehörde.

Die US-Zulassungsbehörde FCC sah in der Vergangenheit vor allem den Wettbewerb durch das Verschwinden einer Plattform gefährdet. Die Frage ist, wie viele Plattformen der Markt trägt, und ob nicht ein stärkerer dritter Wettbewerber mehr Konkurrenz bietet als zwei kleine. Zum Vergleich: AT&T und Verizon teilen sich fast 300 Millionen mobile Abonnenten relativ gleichwertig auf. Der dritte Anbieter ist T-Mobile mit etwas über 70 Millionen. Sprint ist noch kleiner.

Die Geschäftsführungen der beteiligten Unternehmen betonen genau diesen Punkt; ein starker dritter Wettbewerber würde den Markt an sich stärker stimulieren. Ein Hauptargument dabei ist die Absicht der Netzwerkmodernisierung über 5G-Technologie. Diese käme der US-Wirtschaft zu gute, wäre aber ohne die durch den Merger erreichte Größenordnung nicht zu stemmen.

Ob sich die Trump-Administration für diese Argumente offen zeigt bleibt abzuwarten. Sie könnte im Zuge der derzeit ausgesetzten Zolleskalation hier ein deutliches Zeichen setzen, dass „America First“ auch heißen kann: „Direct Foreign Investment Welcome.“

Wenn der Merger gelingt und die Integration von Service Management, Prozessen für Vertragsmanagement und Rechnungsstellungen zügig vollzogen wird, dann könnte hier ein echter Konkurrent als Anbieter für globale Geschäftskunden entstehen. Doch diese Hürden sind zu nehmen.