ICT-News Dach

Wechsel der eigenen IT-Infrastruktur zu Colocationdienstleister kann eine attraktive Lösung sein

Wolfgang Heinhaus

Die eigenen Rechenzentren in den Unternehmen sind in die Jahre gekommen. Durch die Virtualisierung auf allen Ebenen und einer damit möglichen reduzierten Anzahl von physikalischen Infrastrukturkomponenten wurde zwar zwischenzeitlich für Entlastung gesorgt. Durch die neuen Anwendungen wie Industrie 4.0, Internet of Things oder autonomes Fahren, die noch am Anfang stehen, müssen jedoch immer größere Datenmengen gespeichert und verarbeitet werden. Weltweit summiert sich das Datenvolumen bereits auf mehrere Zettabyte, das ist eine Zahl mit 21 Nullen, und verdoppelt sich in einem Zeitraum von nur 18 Monaten. Die eigenen Rechenzentren kommen so wieder häufig an ihre Kapazitätsgrenzen (Platz, Speicherbedarf, Stromversorgung, Kühlung, Sicherheitsanforderungen etc.). Die Folge ist, dass verstärkt über eine Ertüchtigung, Erweiterung oder einen Neubau des Rechenzentrums nachgedacht werden muss. Das kostet viel Zeit und Geld für die Planung und Realisierung. In den meisten Fällen ist daher ein Housing- bzw. Colocationansatz wirtschaftlich sinnvoller und schneller umzusetzen. Darüber hinaus wird es in zunehmenden Maße schwieriger, die vom Gesetzgeber verordneten, sowie eigenen strengen Complianceanforderungen einzuhalten. Viele Unternehmen stellen deshalb Überlegungen an, ihre IT Infrastruktur ganz oder teilweise zu einem Colocationdienstleister zu verlagern, andere haben es bereits umgesetzt. Die Nachfrage nach Colocationflächen ist entsprechend ungebrochen. Allein im Raum Rhein/Main werden aktuell rund 500.000 Quadratmeter Rechenzentrumsfläche betrieben, nicht zuletzt durch die Konzentration der Finanzbranche sowie des DE-CIX-Internetaustauschknoten in Frankfurt. Laut der Initiative Digital Hub wird die Fläche bis 2019 auf 600.000 Quadratmeter erweitert, durch ein Investitionenvolumen von rund 350 Millionen Euro. Auch der Brexit wird sich zusätzlich treibend auf den deutschen Colocationmarkt auswirken. Der positive Trend ist auch bei den Colocationanbietern außerhalb der Rhein/Main-Region zu beobachten. In vielen Wirtschaftsregionen wie beispielsweise Stuttgart, Karlsruhe, Berlin oder Hamburg erweitern die Colocationanbieter ihr Angebot. Zahlreiche mittelständische Unternehmen lagern ihre Infrastruktur aus und bevorzugen einen Betreiber in örtlicher Nähe.

Was ist Colocation?

Colocation bzw. Housing ist der Begriff für die Unterbringung von kundeneigenen IT-Systemen wie Servern und Speichersystemen im Rechenzentrum eines Dienstleisters. Der Dienstleister stellt die erforderlichen Flächen und Racks für die Unterbringung der IT-Infrastruktur und das LAN-Netzwerk zur Verfügung. Ein großes Angebot an Konnektivitäten zu zahlreichen Carriern, Internetaustauschknoten sowie Direktverbindungen zu den großen Hyperscalern erleichtern es dem Anwender, kurzfristig Verbindungen zu den Cloudanbietern herzustellen. Die Colocationanbieter garantieren, dass die Daten in Deutschland verbleiben, denn viele Unternehmen und Behörden lagern ihre Daten nur dann aus, wenn sich das Datacenter des Dienstleisters in Deutschland befindet.

Vorteile von Colocation

Die Anbieter bieten ein hohes Maß an Sicherheit in Ihren zertifizierten Gebäuden, was in eigenen Datacentern nur mit großem Aufwand und hohen Kosten erreicht werden kann. Klimatisierung, redundante Stromzufuhr von getrennten Umspannwerken, eine mehrfach abgesicherte unterbrechungsfreie Stromversorgung, redundante Netzersatzanlagen, zentrale Löschanlagen, protokollierte Zutrittskontrollen sowie eine Videoüberwachung gehören zur Standardausstattung eines Rechenzentrums und sorgen für eine hohe Verfügbarkeit und ein hohes Maß an Sicherheit. Qualifiziertes Personal überwacht die Systeme und behebt auftretende Probleme rund um die Uhr. Mit dem Dienstleister können umfangreiche Remote Hands bzw. SLA vereinbart werden, die für einen reibungslosen Betriebsablauf sorgen und den Kunden von Routineaufgaben entlasten.

Es werden Racks für einzelne Systeme, Cages als eigener abgetrennter Bereich bis hin zu Suites (Rechenzentrum im Rechenzentrum) angeboten. Flächenerweiterungen bei Ausdehnung der eigenen IT-Infrastruktur sind kein Problem.

Der Betrieb kann weiterhin von den eigenen Administratoren im vollen Umfang ausgeführt werden. Die Dienstleister bieten auch Dienste an, mit Hilfe derer dem Kunden vereinbarte Routineaufgaben abgenommen werden können wie beispielsweise die Datensicherung, Einspielung von Patches, Austausch von Hardware, Servererweiterungen sowie die Zurverfügungstellung von Speicherkapazitäten. Zahlreiche Dienstleister übernehmen auch den kompletten Betrieb der IT-Infrastruktur als Managed Infrastructure Service bis hin zur Überwachung der Applikationen.