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Wie stellen sich die mittelständischen Anbieter von Colocationleistungen in Deutschland auf?

Wolfgang Heinhaus

Im Sommer dieses Jahres stellte ISG den Anbietervergleich „ISG Provider Lens Germany 2018 – Infrastructure & Datacenter/Private Cloud“ vor. Ein Thema der Studie sind unter anderem Colocationlösungen von mittelständischen Anbietern.

Im letzten Jahr war bereits zu beobachten, dass das Interesse an Colocationangeboten stark gestiegen ist. Diese Tendenz wird weiter zunehmen. Die Colocationanbieter reagieren darauf mit dem weiteren Ausbau an Angebotsflächen. Die freien Grundstücksflächen haben bei vielen Colocationanbietern die Ausbaugrenzen erreicht. So haben die großen Player wie beispielsweise e-shelter und Interxion im Raum Frankfurt am Main massiv in neue Areale investiert. Das Serviceangebot wird ständig erweitert; Dienstleistungen wie Helping Hands können z.B. bei vielen Anbietern über ein Portal in Auftrag gegeben werden. e-shelter hat ein Innovation Lab eingerichtet, in dem Anwender Cloudszenarien mit Unterstützung von zahlreichen Infrastrukturanbietern und Integratoren testen können, bevor sie ihre Infrastruktur verändern.

Es ist auch zu beobachten, dass nicht nur Anwenderunternehmen ihre Infrastruktur in die Räume der Colocationanbieter verlagern. Das Angebot wird zunehmend auch von kleinen und großen Cloud Service Providern in Anspruch genommen. Vielen Systemhäusern sind die Kosten für den Aus- oder Neubau von neuen Datacentern zu hoch; sie geben ihre eigenen Rechenzentren ganz oder teilweise auf und nutzen stattdessen die sicheren Colocationeinrichtungen.

Erstmals hat sich ISG in der aktuellen Studie entschlossen, die mittelständischen und großen Colocationanbieter in getrennten Quadranten zu bewerten, wobei der Mittelstand laut Klassifizierung eine Freifläche von bis zu 5.000 Quadratmetern bietet, das Angebot der großen Anbieter dagegen bei 5.000 Quadratmetern beginnt. Dadurch wurden weitere Anbieter, hauptsächlich außerhalb der Ballungsgebiete, bewertet, die in der Vergangenheit nicht berücksichtigt wurden. In Wirtschaftsregionen wie beispielsweise Mittlerer Oberrhein oder dem Raum Mannheim/Ludwigshafen sind zahlreiche Mittelstandsunternehmen angesiedelt, die beabsichtigen ihre Infrastruktur auszulagern. Kurze Wege zwischen Anwender und Colocationanbieter, geringere Leitungskosten sowie niedrige Latenzzeiten machen diese Standortnähe attraktiv.

Was ist Colocation?

Dieser Quadrant bewertet die Leistungen der Anbieter im Hinblick auf das Standaloneangebot an Rechenzentrums-Stellfläche zum Housing der Rechenzentrumsausrüstung der Kunden, beispielsweise Server und Storage. Der Colocationanbieter ist verantwortlich für die Bereitstellung einer einsatzbereiten Umgebung, einschließlich Strom, Kühlung, Knotenpunkten zu Telekommunikations-/Internet-Anbietern und Server Hosting Equipment wie Racks, Cages und Suites. Der Anbieter ist zudem für die physische Sicherheit des Rechenzentrums verantwortlich. Eventuell sind auch Support Services wie Remote Management, Helping Hands Services und Troubleshooting im Angebot enthalten.

Anbieterpositionierung

 

Abbildung: Positionierung der mittelständischen Anbieter von Colocation in Deutschland. Quelle: ISG Germany, 2018.

Weitere Informationen zur Studie, inklusive einer Liste der bewerteten Anbieter, finden Sie hier.